Montag, 17. April 2017

Vom Strand ins Krankenhaus

Hello again,

nach unseren gemischten Erfahrungen in Ban Lung wollten wir uns ein letztes Mal die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und fuhren deshalb am 02. April wieder an die Küste.
Nach einer langen Fahrt kamen wir Abends am Otres Beach an, um nach über zehn Vergleichen feststellen zu müssen, dass es flächendeckend überteuert ist und wir keine andere Wahl hatten als für 12 Dollar pro Nacht in einem etwas muffigen Bungalow zu schlafen.
Direkt am Strand gelegen, war es trotzdem schön am nächsten Morgen quasi direkt aus dem Bett ins blaue Meer zu laufen. Wir chillten den ganzen Tag und ich hatte leider leichte Rückenschmerzen, die am Abend immer schlimmer wurden. Ich hatte mich auf der langen Fahrt am Vortag wohl verspannt - so dachte ich.

Am nächsten Tag ging es auf zu einer Island Hopping Tour mit Schnorchelspaß und man muss sagen: Im Gegensatz zu Dschungeltrekks und Busfahrten, lohnt es sich unserer Erfahrung nach immer eine solche Tour zu buchen. Das Preis-Leistungs Verhältnis ist super und Enttäuschung oder Unzuverlässigkeit bleibt aus.

Morgens um neun wurden wir abgeholt und nach dem Frühstück in einem Restaurant (war inklusive) ging es mit dem Boot los zur ersten Schnorchel Station.
Am Rand einer Insel beobachteten wir 45 Minuten lang Fische, die in riesigen Korallenlandschaften umherschwammen.

Von dort ging es weiter an einen paradiesischen Sandstrand, wo im Meer und in der Sonne gabadet wurde und es Mittagessen gab, bevor wir zum Klippenspringen über gingen.

Von einem ca 7m hohen Felsen sprangen wir ins Meer und applaudierten alle zusammen für ein Mädchen, das sich von allen wohl am meisten überwinden musste sich in die Tiefe fallen zu lassen.
Als letzter Halt diente wieder ein Schnorchel Highlight mit Korallen in allen Farben, riesigen Seeigeln, Fischen, Krebsen und Muscheln.
Wirklich schade, dass wir keine Unterwasser Kamera hatten, um dieses Erlebnis festzuhalten und mit euch zu teilen.

Nachmittags kamen wir zufrieden von unserem Ausflug wieder und als Abendessen gönnten wir uns Pizza, um diesen schönen Tag abzurunden.

Dennoch waren uns zwei Tage an einem so touristischen Ort genug (wir sind nicht so begeistert davon in Hostels zu schlafen, die von Backpackern für Backpacker in einem anderen Land betrieben werden) und so zogen wir in die Innenstadt Sihanoukvilles um, um von dort unsere Weiterreise zu planen.
Wir buchten einen Bus nach Bangkok für den 07.04. und als uns heftige Regenschauer überraschten, als wir am Abend durch die Stadt liefen, suchten wir in einem chinesischen Restaurant Schutz, wo wir die interessanteste Suppe unseres Lebens als Abendbrot serviert bekamen.
Nicht nur, dass sie von kräftig grüner Farbe war und mit Eiweiß ein Yin Yang Zeichen formte, sondern dass sie ein unaufessbares Volumen von guten drei Litern umfasste, machte sie schon sehr speziell.
Jonas und ich aßen jeder so viel wir konnten, bestellten zwei mal Reis nach und schafften ungefähr zwei Drittel dieser Monstersuppe.

Am Abend des 6.04. wurden meine Schmerzen dann deutlich schlimmer und es kristallisierte sich heraus, dass es eher meine rechte Niere, als mein Rücken war, die so unglaublich schmerzte.
Die Busfahrt nach Bangkok am nächsten Tag hielt ich letztlich nur unter Einfluss einiger Schmerztabletten aus.

Als ich am Morgen des 8. nach einer ziemlich schlaflosen Nacht aufwachte, war klar, dass ich keine andere Wahl hatte als ins Krankenhaus zu fahren.
Nach Blut- und Urintest und anderen Untersuchungen war klar, dass ich tatsächlich eine Infektion in der rechten Niere hatte.
Mir wurden Schmerzmittel injiziert und noch am Antibiotika Tropf viel ich in einen schwitzigen aber tiefen Schlaf.

Die nächsten drei Tage war Bettruhe angesagt.
Am 11. musste ich für einen weiteren Check nochmal ins Krankenhaus,  das übrigens einen super Standart hat! Wartezeit ist quasi ein Fremdwort, die Ärzte und Schwestern sind kompetent und freundlich, in der Mainhall spielt eine liveband mit Piano, Kontrabass und Viola und die Kantine bietet 1A Essen.

Ab dem 12. ging es mir endlich besser, ich hatte kein Fieber mehr und kaum Schmerzen, also machten Jonas und ich uns daran die Stadt zu erkunden.
Vorallem die zahlreichen Shoppingmalls wurden in den nächsten Tagen von uns genauestens unter die Lupe genommen und dem sehr sympathischen und professionellen Schneider und Designer Henry konnten wir ebenfalls nicht widerstehen.

Ein bisschen schade ist es schon, dass wir unseren Plan noch ein paar alte Tempelstädte wie Chiang Mai, Sukhothai oder Ayutthaya zu besuchen über den Haufen werfen mussten und stattdessen in unseren letzten Tagen nur das thaländische Neujahr (man schafft es dabei nicht durch die Stadt zu kommen, ohne von Wasserpistolen oder ganzen Eimern voller Eiswasser getroffen zu werden) und Fast and Furious 8 erlebt haben.
Trotzdem bin ich in erster Linie froh, gesund nach Deutschland zurück kehren zu können.

Für noch ein wenig Kultur zum Abschluss besichtigten wir an unserem vorletzten Tag noch den Grand Palace. Eine beeindruckend farbenfrohe und glitzernde Anlage ganz im thailändischen Stil.
Wir sind jedoch der Meinung, dass der wertvolle Jade Buddha in einer schlichteren Umgebung besser zur Geltung kommen würde.

So meine Lieben.. das war's erstmal von diesem Blog. Wir sitzen in zwischen am Flughafen auf dem Weg zurück nach Deutschland.
Wir freuen uns auf unsere Familien, unsere Freunde und unser Zuhause.

Viel haben wir erlebt, viel haben wir dazu gelernt.

In diesem Sinne - Danke, dass du diesen Blog so lange verfolgt hast.

Tschüss, bis zur nächsten Reise

Sonam und Jonas

Silk Farm

Hallo ihr Lieben,
nun noch ein kurzer Eintrag über unsere letzten zwei Tage in der Hauptstadt, allem voran der Besuch der Mekong Insel, die für ihre Seiden Farms bekannt ist.
Mit unserem immer lächelnden TukTukfahrer fuhren wir zur Fähre, die uns auf die Insel bringen sollte.
Drüben angekommen durften wir zusehen, wie ein handbedienter Webstuhl funktioniert und die Seidenschals gewebt werden.
Man könnte diesen Mechanismus zwar automatisieren, jedoch kann sich niemand eine solche Maschine leisten und so hat fast jeder Haushalt auf dieser Insel einen Webstuhl, an dem (fast immer) die Frauen sitzen und von Hand weben.

Danach ging es zur Farm, wo die Seide gewonnen wird. Ich persönlich wusste nie genau wie der Seidenfaden entsteht und fand diese Besichtigung höchst lehrreich und interessant.

Die frisch geschlüpften Raupen der Seidenspinner werden auf Maulbärbaumblätter gesetzt, nach einigen Tagen auf frische Blätter umsortiert und dann auf ein Astbündel platziert, wo sie sich in ihren Kokon einspinnen.
Einige Falter lässt man Schlüpfen und tausende von Eiern auf Zeitungspapier ablegen, aus denen neue Raupen schlüpfen, die wiederum mit den Blättern des Maulbärbaums gefüttert werden.
Die meisten der Falter kommen jedoch nie aus ihrem Kokon sondern werden direkt in Kochendes Wasser geworfen. Dadurch lösen sich die feinen Fäden, die über eine Rolle abgewickelt werden und den Seidenfaden entstehen lassen.
Die kambodschanische Seide ist von natur aus übrigens hellgelb im Vergleich zur weißen chinesischen Seide.

Als wir von der Insel zurück waren, besichtigten wir noch den Tempel Wat Phnom und entspannten in seiner Parkanlage.

An unserem letzten Tag erkundeten wir zu Fuß nocheinmal die Stadt, die in den Reiseführern gerne "die Perle Asiens" genannt wird, was sich uns allerdings nicht ganz erschloss.

Am nächsten Tag sollte es dann in den Norden Kambodschas in die Ratnakiri Provinz weiter gehen.

Viele liebe Grüße

Sonam und Jonas

Killing Tree

Nach den Eindrücken dieser Dschungel Bauten fuhren wir am 23.03. in die Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh.
Am selben Abend erkundeten wir noch die riesige Markthalle, in der man von Schmuck über Textilien bis hin zu Fischen und Meeresfrüchten alles erwerben kann. Als die Halle schloss, liefen wir zum Nightmarket, der jedoch nicht so ein buntes Treiben bot. Er warb vorallem mit Polyester Klamotten.

24.03.2017
Und nun kommen wir zum Kapitel der dunklen Vergangenheit Kambodschas, die der Deutschlands nicht unähnlich ist. Trotzem wird sie im Geschichtsunterricht in der Schule nicht einmal kurz erwähnt.

Wir besuchten die Killing fields und das Gefängnis S21 Toul Sleng.

Im Jahre 1975 kamen die roten Khmer an die Macht.  Zwar war Kambodscha zu diesem Zeitpunkt seit fast zehn Jahren unabhängig, doch die Lage der Bevölkerung war schlecht und die Wut auf die reiche und korrupte politische Elite des Landes groß.
Pol Pot, der in Frankreich studiert hatte, war Kopf der roten Khmer und sah die Lösung der Probleme seines Landes im Errichten eines absoluten Bauernstaates. Der Reisanbau sollte verdreifacht werden, "Agra" (=Organisation) musste unbedingter Gehorsam geschenkt werden, Kultur wurde vernichtet. In den verarmten Bauern sahen die Roten Khmer potenzielle Verbündete und so begannen sie große Teile der Bevölkerung auf grausame Art und Weise umzubringen. Menschen, die eine Fremdsprache beherrschten, eine Brille trugen, von Beruf Arzt, Lehrer etc waren, Menschen, die Bücher besaßen, in einer Stadt wohnten oder weiche Hände hatten, wurden auf brutalste Weise ermordet. Kulturstätten wurden gezielt zu grausamen Orten gemacht.

Wir besuchten eines der größten killing fields (Tötungsfelder) am Rande der Stadt, auf dem tausende Männer, Frauen und Kinder den Tod fanden.
In Lastwagen wurden die Opfer mitten in der Nacht an diesen Ort gebracht. Um sie ruhig zu halten, wurde ihnen erzählt sie kämen in ein neues zu Hause.
Dann wurden sie in völliger Dunkelheit aus dem Lastwagen zu ihrer Hinrichtungsstätte getrieben. Kugeln sollten gespart werden und so wurden sie brutal mit Eisenstangen erschlagen, mit scharf gezackten Palmblättern wurden ihnen die Kehlen durchgeschnitten, Kleinkinder wurden (unter den Augen ihrer Mütter) mit dem Kopf gegen einen Baum geschlagen, bis sie tot waren. Als dieser Ort später entdeckt wurde, klebten noch Haare und Hirnmasse an der Rinde dieses killing trees.
Die roten Khmer löschten ganze Familien aus, um zu verhindern, dass ihre Taten in späterer Zeit gerächt werden können. Es herrschte das Motto, wer Unkraut jäten wolle, müsse die Wurzel auch entfernen. 
Die Schrecken dieses Ortes sind unvorstellbar. Und wenn man heute über die Felder läuft und die Knochen und Kleidungsreste aus dem Boden ragen sieht, kann man sich nur im Kopf ein Bild machen, das die Wirklichkeit der damaligen Schrecken niemals übertreffen könnte. Der Gestank der verwesenden Leichen, die Schreie der sterbenden Menschen, die groteske Szenerie der von Baustrahlerlicht überfluteten Anlage, das Rattern der Dieselmotoren und die dröhnenden Lautsprecher, aus denen Propagandalieder und Parolen der roten Khmer plärren, die herrschende Gewalt und Verzweiflung.

Beim Besuchen dieses Ortes hat man keine andere Wahl als emotional ein wenig Abstand zu der Geschichte zu nehmen. Man hält es nicht aus über die Massengräber zu laufen und sich permanent der Sache ganz anzunehmen, da man sonst weinend zusammenbrechen würde. Zumindest ging es mir so.
Unser TukTuk Fahrer meinte zu uns, dass wir Touristen diesen Ort als Attraktion besuchen, dass Kambodschaner dies aber nicht ohne weiteres tun könnten. Er meinte immer wieder "I can not. I can not".
Das fanden wir etwas hart von ihm, doch ich kann mir vorstellen, dass man es als Betroffener nicht schafft genug Abstand zu nehmen, dass man es aushält auf diesem Tötungsfeld zu verweilen.
Fast ein Drittel der Bevölkerung Kambodschas starb unter der Schreckensherrschaft der roten Khmer und wahrscheinlich keine einzige Familie ist von der grausamen Vergangenheit nicht betroffen.

Nach den killing fields besuchten wir nun auch noch das Gefängnis S21.
Was viele nicht wissen, ist dass die US Regierung zu Zeiten des Vietnamkriegs mehr Bomben in Kambodscha abgeworfen hat, als im gesamten zweiten Weltkrieg. Das hatte zur Folge, dass große Bevölkerungsteile vom Land in die Städte flüchteten.
Da die roten Khmer jedoch einen Bauernstaat errichten wollten, wurden die Städte evakuiert. In nur einer Nacht wurde die gesamte Bevölkerung der Hauptstadt hinaus aufs Land getrieben.

Nur ein Gebäude würde in Zukunft noch Menschen beherbergen.
Eine ehemalige Schule wurde zu Gefängnis und Folterstätte für die "Staatsfeinde".

Unter grausamer Folter sollten diese unschuldigen Menschen zu Geständnissen gebracht werden, die bewiesen, dass sie der "Organisation" geschadet hatten.
Waterbording, Fesselung, Zähne ziehen, das Einlassen von Insekten in Wunden und Körperöffnungen und viele weitere Dinge brachten die Opfer dazu, zu gestehen, dass sie Kontakte zur CIA hatten oder den Staat manipulierten, da sie nicht tüchtig gearbeitet oder Essen gestohlen hatten.
Es galt besser einen Unschuldigen mehr, als einen Feind zu wenig zu "zerschlagen".

Wenn man durch die alten Klassenzimmer läuft, sieht man heute noch Blutspritzer an der drei Meter hohen Decke, die einen erschaudern lassen.
Eine Gallerie zeigt tausende Portrait Aufnahmen, von den Gefangenen in Toul Sleng, die unter unmenschlichen Bedingungen hier festgehalten wurden.
Ein Maler wurde von den roten Khmern beauftragt die Schrecken abzubilden.
Seine bunten Ölgemälde lassen die Zustände erahnen.
Da man um jeden Preis ein Geständnis aus den Gefangenen herauspressen wollte, das sie unterschreiben mussten, sollten sie möglichst nicht vorher sterben.
Jedoch mangelte es an jeglicher Hygiene. In den Zellen musste man seine Notdurft in Büchsen bzw Flaschen verrichten, ging etwas daneben, musste man es auflecken. Da man alle Ärzte umgebracht hatte, erhielten Bauernjungen eine vierwöchige Ausbildung, um die Gefangenen nur mit Hilfe von Salzwasserlösungen zu heilen.
Für die Soldaten brauchte man Blutspenden und so wurden den Gefangenen oft mehrere Beutel Blut abgenommen worauf sie bewusstlos aber noch lebend in die Massengräber gestoßen wurden.

Die Liste der grausamen Taten ist lang und könnte hier noch weiter fortgeführt werden, doch ich denke der Eindruck reicht fürs Erste.

Jonas und ich haben auf jeden Fall viel über dieses Thema gesprochen und die Erlebnisse zusammen verarbeitet, worüber ich sehr froh bin.

Es ist nun an uns aus der Geschichte zu lernen und um jeden Preis zu versuchen, dass sich solche Schrecken nicht wiederholen. Außerdem ist es wichtig zu realisieren, dass solch grausame Geschehnisse unter jeder Regierung passieren können - egal ob rechts oder links und egal unter welcher Ideologie, wenn diese fanatisch wird.

Wir sollten unsere Taten nicht nach politischen Orientierungen richten sondern ethisch und eigenständig zwischen richtig und falsch entscheiden.

Die nächsten Blogeinträge werden weniger traumatisierend - versprochen.

Sonam und Jonas

Ban Lung

Hallo ihr Lieben,


So fuhren wir also am 27.03. von Phnom Penh nach Ban Lung.

Ban Lung ist eine kleine Stadt im Nordosten Kambodschas. Von Phnom Penh sind es ungefähr 600km. Wir buchten ein Minivan Ticket für 16 Dollar pro Person. Natürlich sagte der Kollege in dem Reisebüro, das sei der billigste Preis, man bekomme ja Wasser gratis und es sei auch kein Preisnachlass drin, denn er mache nur geringen Profit. Außerdem sollte es auch ein VIP Bus sein. Das Argument ist ziemlich nichtig, denn in Kambodscha klebt auf der letzten Schrottkarre ein VIP Kleber. 

Wir sollten also am Morgen des 27.03. um sechs Uhr vor unserem Guesthouse abgeholt werden. Es ist normal, dass der Bus ein bisschen später kommt, aber anderthalb Stunden später war immer noch niemand gekommen, vermutlich, weil man vergessen hatte uns abzuholen. Nachdem unser Rezeptionist das Busunternehmen angerufen hatte, wurden wir von einem Tuktuk zu einer Bushaltestelle gebracht. Dort durften wir eine weitere halbe Stunde warten, bis dann endlich ein alter enger Hyundaivan kam, in dem wir drin hockten, mit gegen Null tendierender Beinfreiheit. Bei acht bis neun Stunden Fahrt wird das dann schon unangenehm. Während unserer Warte Zeit fragte uns auch noch ein Mann, wie viel wir denn gezahlt hätten und meinte dann: "Oh, eigentlich bezahlt man 10 Dollar". 

Am späten Nachmittag kurz vor Sonnenuntergang kamen wir endlich in Ban Lung an. Wir ließen uns ins Sunset Resort fahren, ein ganz nettes Resort, mit billigen, einfachen Bungalows und einem kleinen Restaurant, das von einem jungen Typen namens Pat, bedient wurde. Dort lernten wir auch einen Australier kennen, der ziemlich drauf war und eine sehr ausschlagende Mimik und Gestik und einen recht  komischen Redestil hatte. Pat, der anscheinend Vergangenheit in der Gangsterszene hatte, meinte nur, dass er versuchen würde ihm die Drogen auszureden, denn er hätte am eigenen Leibe erfahren, wie einen die Abhängigkeit mitnimmt.


Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Tuktuk an den Kratersee Boeng Yeak Laom, der eigentlich unser Hauptziel war. Der See hat einen Durchmesser von 700m und ist sehr klar und blau. Man kann um ihn herumlaufen und an seinem Ufer befinden sich mehrere Holzstege, von denen aus man baden gehen kann. Wir blieben bis zum  Nachmittag an diesem schönen Ort und fuhren dann per Anhalter mit einem Pickup zurück in die Kleinstadt.

Am Abend wurden wir vom Besitzer unseres Resorts zu einer Trekkingtour in den Jungle des Virachay Nationalparks, der im Nord-Osten des Landes liegt und an Laos und Vietnam grenzt angeworben.

Die Tour im Gesamten hatte keinen Festpreis, der aufgeteilt wurde. Er wollte einfach nur 85 Dollar pro Person für 2 Nächte haben, was uns stutzig machte. Auch hier gab es keinen Preisnachlass -"only little profit"-, also erwarteten wir eine ziemlich atemberaubende Tour und sagten zu.

Am nächsten Tag fuhren wir gegen halb zehn los zu einem großen Fluss, den wir mit einem Boot eine dreiviertel Stunde flussaufwärts fuhren. Dort stiegen wir aus und gelangen an einem Holzhaus von Pats Onkel, der sein Bein bei der Explosion einer Mine verloren hatte. Dort aßen wir Mittag, Bratreis, und warteten auf Chep. Chep war ein kleiner Mann, mit einem äffchenähnlichen Gesicht. Wir teilten den Proviant auf unsere Rucksäcke auf, jeder musste einen Teil und seine Hängematte tragen. Zu fünft (Pat, unseren Tourguide und Monkey Chep ausgeschlossen) brachen wir auf. Unsere Gefährten waren 3 Franzosen aus Marseille. Zwei Brüder und von einem die Freundin. Sie waren aushaltbare Kollegen, obwohl sie scheinbar nicht so viel auf Deutschland hielten und ihre Meinung auch eine höhere Stellung hatte als die unsrige. Am ersten Tag liefen wir bis an einen Wasserfall im Wald. Unterwegs zeigte uns Pat einige Bäume, die man nutzen konnte um daraus Wasser zum Ttinken zu gewinnen , wenn man sie abhackte. Außerdem zeigte er uns einen Baum, dessen Saft sie nutzten um Boote abzudichten, aber auch um Fackeln zu bauen. In den Baum war eine Einhöhlung geschlagen, in der das Harz zusammenlief. Dieses ist sehr gut brennbar, immer wenn man ein Feuer macht, dass man auch kurzer Zeit wieder löscht mit einem Bündel aus Blätter und Gestrüpp, läuft der Saft nach und sammelt sich in der Höhle. Außerdem wurden uns die Blätter eines Baumes gezeigt, in die die Einheimischen ihren starken Tabak wickeln und ihn rauchen.

Am Wasserfall schlugen wir unser Lager auf. Dort gingen wir schwimmen und unsere Guides kochten essen. Zum Beispiel bekamen wir eine Gemüsesuppe, die in einem Bambusrohr gekocht wurde. 

Unsere Hängematten wurden in einem Bambusgestell aufgehängt, über das eine Plane gespannt wurde. Die war wichtig, denn Nachts regnete es ziemlich stark. 

Am Abend tranken wir Reiswein zusammen mit anderen Tourgruppen, und Pat erzählte uns über die Kultur der Minderheit, aus der er stammt. Über ihre Hochzeitsriten; dass sie große Tiere, wie Tiger, große Schlagen und Elefanten nie töten würden, weil es Unglück bringen würde und dass sich die Leute traditionelle Tattoos in Form von Punkten stechen lassen, um gegen böse Kräfte gewappnet zu sein. 

Es gäbe viele Leute die Flüche im verborgenen auf einen sprechen, die eine dann krank machen würden.

Als es bereits dunkel war, gingen wir zusammen mit Pat jagen. Er erbeutet eine Schlange und ein paar kleine Fische, die in sein Netz im Bach geschwommen waren. Die Fische wurden am Morgen gebraten zum Frühstück angeboten.

Die Nacht in den Hängematten unter der Plane im Regen war nicht etwa unbequem, allerdings patrolierten rote Ameisen unter unsrem Lager, die sehr schmerzhaft bissen, wenn man in ihre Straße trat. 

Es war besser, wenn man nachts nicht aus der Matte musste.

Nachdem wir am nächsten Morgen unser Frühstück eingenommen und unser Lager abgebaut hatten, ging es weiter. Da es die ganze Nacht geregnet hatte, waren einige Blutegel unterwegs, ziemlich unangenehme Viecher, die aber nicht weiter gefährlich sind. 

Als ich ausgerutscht war und mir einen ziemlich großen Pferdekuss geholt hatte, fanden die Guides einen Baum, der eine blutroten Saft gab, der gut gegen solche Art von Verletzung sein sollte. 

Nach unserem vier stündigen Marsch durch den Dschungel kamen wir wieder an der Hütte an, an der wir am Vortag gestartet waren. Von dort fuhren wir mit dem Boot zurück in ein Dorf, das uns zuvor als tribal village verkauft wurde. Man erwartete also ein Dschungeldorf, in dem noch vom Wald gelebt wurde. An dem Abend fing die Hochzeit von Cheps Tochter an. Man hatte am Fluss einen massiven Holzbau errichtet, in denen wieder unsere Hängematten aufgehängt wurden. Wir schelenderten kurz durchs Dorf, das nichts mit Urwald zu tun hatte. Dort lebte man vom Reisanbau auf kahlen Flächen zwischen Nationalpark und Fluss. Im Dorf bretterten Jugendliche mit ihren Motorrädern durch die Gegend und es lagen Müllhaufen zwischen den Holzhäusern auf Stelzen herum.


Am Abend wurde dann die Hochzeit für den nächsten Tag eingeleitet, in dem man das ganze Dorf bis morgens um 4 aus riesigen JBL Boxen beschallte, so dass an Schlaf nicht zu denken war.

Am dritten Tag liefen wir in praller Sonne noch über die Reisfelder, lernten, dass auch hier unter den roten Khmern gemordet worden war und unsere Enttäuschung wuchs, weil wir mit dem Preis doch ziemlich verarscht worden sind. Unser Guide versuchte noch das Beste draus zu machen, obwohl es nicht seine Schuld war. Wir fragten ihn, wie viel er für eine Tour bekomme und er erzählt uns, das er 25 Dollar und Chep 10 Dollar bekam. Wovon er außerdem den Bootfahrer bezahlen musste.

Wir hatten noch unser Mittag Essen in einem Haus von Cheps Familie, danach fuhren wir mit Boot und anschließend mit dem Pickup zurück nach Ban Lung. Auch die Franzosen waren enttäuscht. Wir konfrontierten Mr. Sun, den Chef unseres Guesthouse und den "Organisator" der Tour, damit, dass wir den Preis für völlig unangemessen hielten. Dieser versuchte natürlich sofort Pat verantwortlich zu machen, mit dem wir allerdings zufrieden waren. Wir fanden es ziemlich vermessen uns allerlei Dinge zu versprechen, um uns vorher 170 Dollar zahlen zu lassen und uns danach zu erzählen, dass es unsere Schuld sei, dass wir das Angebot angenommen hatten. 


Wir erklärten ihm, dass wir für so viel Geld eine entsprechende Leistung erwarteten, wenn wir im Voraus bezahlten und das wir das hier als Betrug empfanden. 


Wir beschlossen zu gehen und uns ein anderes Guesthouse zu suchen und er erinnerte uns auch direkt noch dreist daran, da wir ihm ja noch 32 Dollar für die Übernachtungen und das Essen zahlen müssten. Als Sonam dann anfing bei so viel Gemeinheit zu weinen, erließ er uns wenigstens diese Kosten. Völlig enttäuscht und niedergeschlagen suchten wir uns ein neues Guesthouse.


Es wurde von einem kleinen, alten und sehr netten Mann geleitet, der es erst vor einem Jahr gemeinsam mit seinem Sohn eröffnet hatte. Er war ganz stolz, als er uns am Abend erzählen konnte, dass alle Zimmer ausgebucht waren. 


Am nächsten Tag mieteten wir uns einen Roller und besichtigten zwei Wasserfälle, die um die Stadt lagen. Dabei fuhren wir zwischen Kautschukplantagen hindurch. Am Nachmittag fuhren wir noch ein Mal zum See. Wir hatten einen Schleichweg um den ticketcounter gefunden, der uns den Tourieintrittspreis ersparte.

Da Samstag war, waren viele Kambodschaner dort. Aus großen tragbaren Musikboxen wurden die Stege beschallt und die Jugendlichen sprangen wie die Wilden ins Wasser. Am Ende das Tages gingen wir noch in ein Restaurant zum Pizza und Lasagne essen. Es regnete wie aus Kübeln am Abend. 


Für den nächsten Tag stand eine lange Fahrt an die Küste Kambodschas an, von der ihr im nächsten Blog erfahrt. 


Liebe Grüße an euch alle 


Jonas und Sonam

Dienstag, 11. April 2017

Equinox over Angkor Wat

Hallo ihr Lieben,

Am 18.03. trafen wir mit einem Bus aus Battambang in Siem Reap ein.
Als wir ankamen, ging natürlich direkt ein Tuktukfahrer, Mr. Bean, auf uns zu, der auch die restliche Zeit in Siem Reap unser Fahrer blieb und uns zwischen den Tempelanlagen von Angkor herumfuhr.
Er fuhr uns zu einem schönen Guesthouse, das für 5 Tage unsere Unterkunft blieb.
Neben unserem Guesthouse fanden wir auch gleich ein nettes kleines Cafe. Es wurde von einer Kambodschanerin geleitet, die sehr gut Deutsch sprach. Sie war Reiseleiterin und wirklich sehr nett. Wir aßen fast jeden Morgen bei ihr ein Frühstücksset mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis.

Siem Reap ist eine sehr touristische Stadt. Sie liegt südlich der großen Tempelanlagen von Angkor, die heute als das größte religiöse Bauwerk gelten. Dem entsprechend ist die Stadt mit Touristen geflutet. Viele kommen auch nur schnell aus Thailand nach Siem Reap, um sich die Tempel anzuschauen und dann direkt wieder zu verschwinden.
Siem Reap ist hat einen großen Markt, an dem so ziemlich alles, von Silberschmuck über Leinwandmalereien von Angkor und gefakter Markenschuhe findet. Daneben liegt die Pubstreet (Kneipenstraße). Es sind eher mehre Straßen, die ein kleines Viertel aus Kneipen, Massagesalons, und Unterkünften bilden. Dort haben wir uns einige Fruchtshakes und Eiscremes gegönnt.
Man findet sowohl lokales als auch westliches Essen hier und es ist entsprechend des Tourismus etwas teurer. Während unseres Aufenthaltes aßen wir auch die ein oder andere Pizza und schauten bei einem Angkor Bier ein Fußballspiel der englischen Liga, die hier in allen Lokalen zu sehen sind.

Unser Angkorerlebnis, also die Besichtigung der alten Tempel, begann damit, dass uns unser Tuktukfahrer am 19. März, neun Uhr vom Guesthouse abholte. Zuerst fuhren wir zum Ticketoffice. Dort legten wir pro Ticket 62 USD auf den Tresen, mit denen wir drei Tage die Anlagen des archelogischen Parks von Angkor besichtigen konnten.
Am bekanntesten ist der Haupttempel Angkor Wat. Allerdings befinden sich im Gebiet drumherum noch viele weitere Tempelanlagen (wie zB. ein Wassertempel, eine goldene Tempelanlage etc.), die wir in den folgenden vier Tagen (mit einem Pausetag) besichtigten. Wir waren tief beeindruckt von den unterschiedlichen Bauwerken, die teilweise von großen Baumwurzeln überwuchert waren. Es ist spannend zu sehen, zu was Menschen vor so langer Zeit fähig waren.

Die Tempel stammen laut  Archeologie aus der Zeit der Khmer-Dynastie Angkor und wurden um das 12. Jahrhundert unserer Zeit gebaut. Sie waren hinduistische Tempel, aus Sandstein. Über die Zeit haben die Buddhisten die Tempel übernommen. Es sind aus vielen, der wunderschönen Reliefs die Figuren herausgeschlagen worden. Überall sind jetzt nachträglich reingeschleppte Buddhastatuen zu sehen. An einem der Tempel hat man sogar einen riesigen liegenden Buddha gebaut. Man kann aber ziemlich gut erkennen, was nachträglich gebaut oder eingemeißelt wurde, weil sich das meist in Genauigkeit und Qualität um Weiten von den ursprünglichen Arbeiten unterscheidet. Die ursprünglichen Bauten bestehen aus unregelmäßigen Steinenblöcken, die millimetergenau zusammen passen. Außerdem findet man in den  Tempelanlagen teils hervorragende Hochreliefs. Manche wurden später wiederum mit eingemeißelten Blumen verziert. Diese erinnern ein bisschen an die Malfähigkeiten eines Kindergartenkindes. Man kann so etwas fast in allen Tempeln sehen.

Das Highlight unseres Besuches war natürlich Angkor Wat, der Haupttempel.
Angkor Wat ist umgeben von einem rechteckigen, künstlich angelegten Gewässer, was seinerseits in große Steinblöcke eingefasst war. Man kann heute noch die Reste dieser an den Ufern sehen. Über dieses Gewässer kommt man über eine Brücke auf der Westseite. Man passiert das Haupteingangstor, das aus drei Türmen besteht. Ein großer in der Mitte ist umgeben von zwei kleineren außen, die durch eine Galerie verbunden sind. Die Insel ist von einer Mauer umgeben. Hat man das Haupttor passiert, läuft man auf einem großen geraden Weg, der ebenfalls aus großen unregelmäßigen Steinklötzen gepflastert ist. Links und rechts steht jeweils ein kleines Bauwerk. Diese werden als Bibliotheken bezeichnet . Dahinter sind zwei kleine rechteckige Teiche. Ich schätze, sie waren auch Mal in Steinfassung. Am nördlichen der beiden kann man noch die Reste davon erkennen. Danach kommt der Tempel selbst. Er besteht aus drei Ebenen, die jeweils von Gallerien umgeben sind. Die unterste ist mit  riesigen, langen Reliefs versehen. Eine davon zeigt das Aufschäumen des Milchmeers. Vishnu sitzt auf einer Schildkröte, um die die Nagaschlange gewunden ist. Auf beiden Seiten der Nagaschlange ziehen jeweils eine Gruppe, die dunklen gegen die guten Kräfte. Es  stellt den hinduistischen Schöpfungsmythos dar.
Die oberste Ebene ist umgeben von 4 Türmen in deren Mitte das Haupttheiligtum, der große zentrale Turm steht. Er ist 65 m hoch. Auf die oberste Ebene darf man nur bis 17 Uhr und auch nur an nicht- heiligen Tagen. Deswegen besuchten wir den Tempel drei Mal, weil wir entweder zu spät oder an einem heiligen Tag da waren.
Das Haupttheiligtum war einst ein Raum mit vier Türen. Angeblich habe man auch einen Sarkophag gefunden. Heute sind drei von den Türen mit einer Buddhastatue zugemauert. Die Art und Weise passt auch hier wieder nicht zur Genauigkeit des Angkorbaustils und erscheint beinahe schäbig. Die Südtür ist zwar nicht vermauert, aber vor ihr steht ebenfalls eine Buddhastatue.
Wir haben einmal von einer Geschichte gehört, wonach einem chinesischen Diplomaten, der das Angkorreich besuchte, erzählt wurde, dass der König Angkor jede Nacht in diesen Raum ging um mit der Nagaschlange zu schlafen, die sich dort in eine schöne Frau zu verwandeln pflegte.

Wir hatten unsere Reise so geplant, dass wir Angkor Wat am 20. März zum Sonnenaufgang besichtigen konnten.
Der Tempel ist so gebaut worden, dass zur Tag- und Nachtgleiche die Sonne genau über dem Zentralturm der Anlage aufgeht, wenn man sich im Bereich der drei Türme des Haupteingangstores befindet. Es war beeindruckend das ein Mal zu erleben. Zumal offensichtlich nicht so viele Menschen davon wissen. Interessant ist nebenbei auch, dass man solche optischen Phänomene auch an Tempelanlagen in Südamerika beobachten kann. Schwer zu glauben, dass diese Effekte zufällig entstehen.
Die archelogische​ Wissenschaft beschäftigt sich viel mit Religion und der Verehrung von Göttern. Es ist aber ebenfalls ziemlich interessant, wie man in der Lage war, derartige Bauwerke zu vermessen und zu bauen.  Die astronomische Kenntnis muss enorm gewesen sein und zudem muss man das architektonisch umsetzen.

Alles in allem war es zwar ein recht teurer Spaß, sich diese Anlagen anzuschauen, es hat sich aber definitiv gelohnt! Wir haben Siem Reap als die angenehmste Stadt Kambodschas in Erinnerung behalten. Das liegt vielleicht daran, dass an ihr ein großer Teil positiver kambodschanischer Geschichte hängt, die die Gräuel der jüngsten Zeit überstrahlt.

Doch dazu im nächsten Eintrag.

Viele liebe Grüße
Jonas und Sonam