Hallo ihr Lieben,
Am 18.03. trafen wir mit einem Bus aus Battambang in Siem Reap ein.
Als wir ankamen, ging natürlich direkt ein Tuktukfahrer, Mr. Bean, auf uns zu, der auch die restliche Zeit in Siem Reap unser Fahrer blieb und uns zwischen den Tempelanlagen von Angkor herumfuhr.
Er fuhr uns zu einem schönen Guesthouse, das für 5 Tage unsere Unterkunft blieb.
Neben unserem Guesthouse fanden wir auch gleich ein nettes kleines Cafe. Es wurde von einer Kambodschanerin geleitet, die sehr gut Deutsch sprach. Sie war Reiseleiterin und wirklich sehr nett. Wir aßen fast jeden Morgen bei ihr ein Frühstücksset mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis.
Siem Reap ist eine sehr touristische Stadt. Sie liegt südlich der großen Tempelanlagen von Angkor, die heute als das größte religiöse Bauwerk gelten. Dem entsprechend ist die Stadt mit Touristen geflutet. Viele kommen auch nur schnell aus Thailand nach Siem Reap, um sich die Tempel anzuschauen und dann direkt wieder zu verschwinden.
Siem Reap ist hat einen großen Markt, an dem so ziemlich alles, von Silberschmuck über Leinwandmalereien von Angkor und gefakter Markenschuhe findet. Daneben liegt die Pubstreet (Kneipenstraße). Es sind eher mehre Straßen, die ein kleines Viertel aus Kneipen, Massagesalons, und Unterkünften bilden. Dort haben wir uns einige Fruchtshakes und Eiscremes gegönnt.
Man findet sowohl lokales als auch westliches Essen hier und es ist entsprechend des Tourismus etwas teurer. Während unseres Aufenthaltes aßen wir auch die ein oder andere Pizza und schauten bei einem Angkor Bier ein Fußballspiel der englischen Liga, die hier in allen Lokalen zu sehen sind.
Unser Angkorerlebnis, also die Besichtigung der alten Tempel, begann damit, dass uns unser Tuktukfahrer am 19. März, neun Uhr vom Guesthouse abholte. Zuerst fuhren wir zum Ticketoffice. Dort legten wir pro Ticket 62 USD auf den Tresen, mit denen wir drei Tage die Anlagen des archelogischen Parks von Angkor besichtigen konnten.
Am bekanntesten ist der Haupttempel Angkor Wat. Allerdings befinden sich im Gebiet drumherum noch viele weitere Tempelanlagen (wie zB. ein Wassertempel, eine goldene Tempelanlage etc.), die wir in den folgenden vier Tagen (mit einem Pausetag) besichtigten. Wir waren tief beeindruckt von den unterschiedlichen Bauwerken, die teilweise von großen Baumwurzeln überwuchert waren. Es ist spannend zu sehen, zu was Menschen vor so langer Zeit fähig waren.
Die Tempel stammen laut Archeologie aus der Zeit der Khmer-Dynastie Angkor und wurden um das 12. Jahrhundert unserer Zeit gebaut. Sie waren hinduistische Tempel, aus Sandstein. Über die Zeit haben die Buddhisten die Tempel übernommen. Es sind aus vielen, der wunderschönen Reliefs die Figuren herausgeschlagen worden. Überall sind jetzt nachträglich reingeschleppte Buddhastatuen zu sehen. An einem der Tempel hat man sogar einen riesigen liegenden Buddha gebaut. Man kann aber ziemlich gut erkennen, was nachträglich gebaut oder eingemeißelt wurde, weil sich das meist in Genauigkeit und Qualität um Weiten von den ursprünglichen Arbeiten unterscheidet. Die ursprünglichen Bauten bestehen aus unregelmäßigen Steinenblöcken, die millimetergenau zusammen passen. Außerdem findet man in den Tempelanlagen teils hervorragende Hochreliefs. Manche wurden später wiederum mit eingemeißelten Blumen verziert. Diese erinnern ein bisschen an die Malfähigkeiten eines Kindergartenkindes. Man kann so etwas fast in allen Tempeln sehen.
Das Highlight unseres Besuches war natürlich Angkor Wat, der Haupttempel.
Angkor Wat ist umgeben von einem rechteckigen, künstlich angelegten Gewässer, was seinerseits in große Steinblöcke eingefasst war. Man kann heute noch die Reste dieser an den Ufern sehen. Über dieses Gewässer kommt man über eine Brücke auf der Westseite. Man passiert das Haupteingangstor, das aus drei Türmen besteht. Ein großer in der Mitte ist umgeben von zwei kleineren außen, die durch eine Galerie verbunden sind. Die Insel ist von einer Mauer umgeben. Hat man das Haupttor passiert, läuft man auf einem großen geraden Weg, der ebenfalls aus großen unregelmäßigen Steinklötzen gepflastert ist. Links und rechts steht jeweils ein kleines Bauwerk. Diese werden als Bibliotheken bezeichnet . Dahinter sind zwei kleine rechteckige Teiche. Ich schätze, sie waren auch Mal in Steinfassung. Am nördlichen der beiden kann man noch die Reste davon erkennen. Danach kommt der Tempel selbst. Er besteht aus drei Ebenen, die jeweils von Gallerien umgeben sind. Die unterste ist mit riesigen, langen Reliefs versehen. Eine davon zeigt das Aufschäumen des Milchmeers. Vishnu sitzt auf einer Schildkröte, um die die Nagaschlange gewunden ist. Auf beiden Seiten der Nagaschlange ziehen jeweils eine Gruppe, die dunklen gegen die guten Kräfte. Es stellt den hinduistischen Schöpfungsmythos dar.
Die oberste Ebene ist umgeben von 4 Türmen in deren Mitte das Haupttheiligtum, der große zentrale Turm steht. Er ist 65 m hoch. Auf die oberste Ebene darf man nur bis 17 Uhr und auch nur an nicht- heiligen Tagen. Deswegen besuchten wir den Tempel drei Mal, weil wir entweder zu spät oder an einem heiligen Tag da waren.
Das Haupttheiligtum war einst ein Raum mit vier Türen. Angeblich habe man auch einen Sarkophag gefunden. Heute sind drei von den Türen mit einer Buddhastatue zugemauert. Die Art und Weise passt auch hier wieder nicht zur Genauigkeit des Angkorbaustils und erscheint beinahe schäbig. Die Südtür ist zwar nicht vermauert, aber vor ihr steht ebenfalls eine Buddhastatue.
Wir haben einmal von einer Geschichte gehört, wonach einem chinesischen Diplomaten, der das Angkorreich besuchte, erzählt wurde, dass der König Angkor jede Nacht in diesen Raum ging um mit der Nagaschlange zu schlafen, die sich dort in eine schöne Frau zu verwandeln pflegte.
Wir hatten unsere Reise so geplant, dass wir Angkor Wat am 20. März zum Sonnenaufgang besichtigen konnten.
Der Tempel ist so gebaut worden, dass zur Tag- und Nachtgleiche die Sonne genau über dem Zentralturm der Anlage aufgeht, wenn man sich im Bereich der drei Türme des Haupteingangstores befindet. Es war beeindruckend das ein Mal zu erleben. Zumal offensichtlich nicht so viele Menschen davon wissen. Interessant ist nebenbei auch, dass man solche optischen Phänomene auch an Tempelanlagen in Südamerika beobachten kann. Schwer zu glauben, dass diese Effekte zufällig entstehen.
Die archelogische Wissenschaft beschäftigt sich viel mit Religion und der Verehrung von Göttern. Es ist aber ebenfalls ziemlich interessant, wie man in der Lage war, derartige Bauwerke zu vermessen und zu bauen. Die astronomische Kenntnis muss enorm gewesen sein und zudem muss man das architektonisch umsetzen.
Alles in allem war es zwar ein recht teurer Spaß, sich diese Anlagen anzuschauen, es hat sich aber definitiv gelohnt! Wir haben Siem Reap als die angenehmste Stadt Kambodschas in Erinnerung behalten. Das liegt vielleicht daran, dass an ihr ein großer Teil positiver kambodschanischer Geschichte hängt, die die Gräuel der jüngsten Zeit überstrahlt.
Doch dazu im nächsten Eintrag.
Viele liebe Grüße
Jonas und Sonam
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