Nach den Eindrücken dieser Dschungel Bauten fuhren wir am 23.03. in die Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh.
Am selben Abend erkundeten wir noch die riesige Markthalle, in der man von Schmuck über Textilien bis hin zu Fischen und Meeresfrüchten alles erwerben kann. Als die Halle schloss, liefen wir zum Nightmarket, der jedoch nicht so ein buntes Treiben bot. Er warb vorallem mit Polyester Klamotten.
24.03.2017
Und nun kommen wir zum Kapitel der dunklen Vergangenheit Kambodschas, die der Deutschlands nicht unähnlich ist. Trotzem wird sie im Geschichtsunterricht in der Schule nicht einmal kurz erwähnt.
Wir besuchten die Killing fields und das Gefängnis S21 Toul Sleng.
Im Jahre 1975 kamen die roten Khmer an die Macht. Zwar war Kambodscha zu diesem Zeitpunkt seit fast zehn Jahren unabhängig, doch die Lage der Bevölkerung war schlecht und die Wut auf die reiche und korrupte politische Elite des Landes groß.
Pol Pot, der in Frankreich studiert hatte, war Kopf der roten Khmer und sah die Lösung der Probleme seines Landes im Errichten eines absoluten Bauernstaates. Der Reisanbau sollte verdreifacht werden, "Agra" (=Organisation) musste unbedingter Gehorsam geschenkt werden, Kultur wurde vernichtet. In den verarmten Bauern sahen die Roten Khmer potenzielle Verbündete und so begannen sie große Teile der Bevölkerung auf grausame Art und Weise umzubringen. Menschen, die eine Fremdsprache beherrschten, eine Brille trugen, von Beruf Arzt, Lehrer etc waren, Menschen, die Bücher besaßen, in einer Stadt wohnten oder weiche Hände hatten, wurden auf brutalste Weise ermordet. Kulturstätten wurden gezielt zu grausamen Orten gemacht.
Wir besuchten eines der größten killing fields (Tötungsfelder) am Rande der Stadt, auf dem tausende Männer, Frauen und Kinder den Tod fanden.
In Lastwagen wurden die Opfer mitten in der Nacht an diesen Ort gebracht. Um sie ruhig zu halten, wurde ihnen erzählt sie kämen in ein neues zu Hause.
Dann wurden sie in völliger Dunkelheit aus dem Lastwagen zu ihrer Hinrichtungsstätte getrieben. Kugeln sollten gespart werden und so wurden sie brutal mit Eisenstangen erschlagen, mit scharf gezackten Palmblättern wurden ihnen die Kehlen durchgeschnitten, Kleinkinder wurden (unter den Augen ihrer Mütter) mit dem Kopf gegen einen Baum geschlagen, bis sie tot waren. Als dieser Ort später entdeckt wurde, klebten noch Haare und Hirnmasse an der Rinde dieses killing trees.
Die roten Khmer löschten ganze Familien aus, um zu verhindern, dass ihre Taten in späterer Zeit gerächt werden können. Es herrschte das Motto, wer Unkraut jäten wolle, müsse die Wurzel auch entfernen.
Die Schrecken dieses Ortes sind unvorstellbar. Und wenn man heute über die Felder läuft und die Knochen und Kleidungsreste aus dem Boden ragen sieht, kann man sich nur im Kopf ein Bild machen, das die Wirklichkeit der damaligen Schrecken niemals übertreffen könnte. Der Gestank der verwesenden Leichen, die Schreie der sterbenden Menschen, die groteske Szenerie der von Baustrahlerlicht überfluteten Anlage, das Rattern der Dieselmotoren und die dröhnenden Lautsprecher, aus denen Propagandalieder und Parolen der roten Khmer plärren, die herrschende Gewalt und Verzweiflung.
Beim Besuchen dieses Ortes hat man keine andere Wahl als emotional ein wenig Abstand zu der Geschichte zu nehmen. Man hält es nicht aus über die Massengräber zu laufen und sich permanent der Sache ganz anzunehmen, da man sonst weinend zusammenbrechen würde. Zumindest ging es mir so.
Unser TukTuk Fahrer meinte zu uns, dass wir Touristen diesen Ort als Attraktion besuchen, dass Kambodschaner dies aber nicht ohne weiteres tun könnten. Er meinte immer wieder "I can not. I can not".
Das fanden wir etwas hart von ihm, doch ich kann mir vorstellen, dass man es als Betroffener nicht schafft genug Abstand zu nehmen, dass man es aushält auf diesem Tötungsfeld zu verweilen.
Fast ein Drittel der Bevölkerung Kambodschas starb unter der Schreckensherrschaft der roten Khmer und wahrscheinlich keine einzige Familie ist von der grausamen Vergangenheit nicht betroffen.
Nach den killing fields besuchten wir nun auch noch das Gefängnis S21.
Was viele nicht wissen, ist dass die US Regierung zu Zeiten des Vietnamkriegs mehr Bomben in Kambodscha abgeworfen hat, als im gesamten zweiten Weltkrieg. Das hatte zur Folge, dass große Bevölkerungsteile vom Land in die Städte flüchteten.
Da die roten Khmer jedoch einen Bauernstaat errichten wollten, wurden die Städte evakuiert. In nur einer Nacht wurde die gesamte Bevölkerung der Hauptstadt hinaus aufs Land getrieben.
Nur ein Gebäude würde in Zukunft noch Menschen beherbergen.
Eine ehemalige Schule wurde zu Gefängnis und Folterstätte für die "Staatsfeinde".
Unter grausamer Folter sollten diese unschuldigen Menschen zu Geständnissen gebracht werden, die bewiesen, dass sie der "Organisation" geschadet hatten.
Waterbording, Fesselung, Zähne ziehen, das Einlassen von Insekten in Wunden und Körperöffnungen und viele weitere Dinge brachten die Opfer dazu, zu gestehen, dass sie Kontakte zur CIA hatten oder den Staat manipulierten, da sie nicht tüchtig gearbeitet oder Essen gestohlen hatten.
Es galt besser einen Unschuldigen mehr, als einen Feind zu wenig zu "zerschlagen".
Wenn man durch die alten Klassenzimmer läuft, sieht man heute noch Blutspritzer an der drei Meter hohen Decke, die einen erschaudern lassen.
Eine Gallerie zeigt tausende Portrait Aufnahmen, von den Gefangenen in Toul Sleng, die unter unmenschlichen Bedingungen hier festgehalten wurden.
Ein Maler wurde von den roten Khmern beauftragt die Schrecken abzubilden.
Seine bunten Ölgemälde lassen die Zustände erahnen.
Da man um jeden Preis ein Geständnis aus den Gefangenen herauspressen wollte, das sie unterschreiben mussten, sollten sie möglichst nicht vorher sterben.
Jedoch mangelte es an jeglicher Hygiene. In den Zellen musste man seine Notdurft in Büchsen bzw Flaschen verrichten, ging etwas daneben, musste man es auflecken. Da man alle Ärzte umgebracht hatte, erhielten Bauernjungen eine vierwöchige Ausbildung, um die Gefangenen nur mit Hilfe von Salzwasserlösungen zu heilen.
Für die Soldaten brauchte man Blutspenden und so wurden den Gefangenen oft mehrere Beutel Blut abgenommen worauf sie bewusstlos aber noch lebend in die Massengräber gestoßen wurden.
Die Liste der grausamen Taten ist lang und könnte hier noch weiter fortgeführt werden, doch ich denke der Eindruck reicht fürs Erste.
Jonas und ich haben auf jeden Fall viel über dieses Thema gesprochen und die Erlebnisse zusammen verarbeitet, worüber ich sehr froh bin.
Es ist nun an uns aus der Geschichte zu lernen und um jeden Preis zu versuchen, dass sich solche Schrecken nicht wiederholen. Außerdem ist es wichtig zu realisieren, dass solch grausame Geschehnisse unter jeder Regierung passieren können - egal ob rechts oder links und egal unter welcher Ideologie, wenn diese fanatisch wird.
Wir sollten unsere Taten nicht nach politischen Orientierungen richten sondern ethisch und eigenständig zwischen richtig und falsch entscheiden.
Die nächsten Blogeinträge werden weniger traumatisierend - versprochen.
Sonam und Jonas
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen